Mensch Maschine

Automatenseelen - Seelenautomaten

 

15.05. – 26.08. 2012

 

 

 

 

 

 

                                                                                                              

 

                  Chargesheimer, Automation, 1958 (publ.), Fotografie, Detail 
 
 

  

Die Ausstellung "Mensch Maschine" präsentiert die Motive Arbeitsalltag, Industrie und Maschine auf scheinbar paradoxe Weise:  Bei "Mensch Maschine" begegnen sich Automatenseelen und Seelenautomaten. Künstler verschiedener Generationen nutzen befremdliche Verkehrungen, um die alltägliche Symbiose von Mensch und Maschine plastisch vor Augen zu führen:  Menschen sind in automatisierte Produktionsabläufe eingepasst, Maschinen wiederum erscheinen als Träger vitaler Energie und spiegeln die Historie der Gesellschaft.

Die Schau zeigt so, dass Maschinenwelten jenseits aller Zweckrationalität fortlaufend einen symbolischen Mehrwert produzieren - und dass sie mit dem Thema Phantasie eng verwandt sind.

 

Die Ausstellung wird ermöglicht durch eine Förderung der Merck KGaA

                                                                                                                           

Beteiligt sind:

 

Bernd und Hilla Becher (geb. 1931, gest. 2007 / geb. 1934)

 

Chargesheimer (1924 – 1971)

 

Jochen Mura (geb. 1968)

 

Stefan Rohrer (geb. 1968)

 

Angelika J. Trojnarski (geb. 1979)

 

H.D. Tylle (geb. 1954)

 

 

Von Bernd und Hilla Becher ist in "Mensch Maschine" eine Serie fotografischer Porträts von Hochöfen zu sehen. Die Künstler inszenieren die industriellen Apparaturen wie Skulpturen und provozieren mit ihren seriellen Tableaus ein "vergleichendes Sehen" zwischen Maschinentypen. So verkünden sie den Anspruch der Kunst, Regeln der Ästhetik auch auf den zweckrational bestimmten Alltag anzuwenden. 

 

Der legendäre Kölner Fotograf Chargesheimer dokumentiert in seinen Aufnahmen vom Ruhrgebiet die rasante Entwicklung der deutschen Industrielandschaft seit den 1950er Jahren. Er fokussiert dabei vor allem den Menschen, der in die industriellen Areale eingepasst wird. Dabei präsentiert Chargesheimer in der Fotografie Neudeutungen bekannter Typen der Porträt- und Landschaftsmalerei, um das neue Zeitalter der Zweckräume und Maschinen mit prägnanten "Standbildern" zu charakterisieren. 

 

Jochen Mura bestückt die Wände der Kunsthalle mit simulierten industriellen Versorgungsschächten. So läßt er die Industrie symbolisch leerlaufen und unterstellt sie - ähnlich wie Bernd und Hilla Becher - ästhetischen Kriterien. Gleichzeitig demonstriert er mit seinen schematisierten Hausmodellen, wie Lebensräume zu industriell anmutenden "Wohnmaschinen" werden.

 

Stefan Rohrer läßt alltägliche Maschinen zu Trägern von Lebensenergie, Geschichte und Phantasie werden. Einen herkömmlichen Vespa-Motorroller verbiegt er zu einer ungebändigten Schlaufenform, die an die Lebenskraft von Pflanzen erinnert. Eine Montage aus einem West- und einem Ost-Moped wiederum wird zu einem Symbol für die wechselhafte Historie globaler Machtblöcke.

 

Angelika J. Trojnarski zeigt Maschinen in einem malerischen Schwebezustand. Flugzeug, Traktor oder Schiff erscheinen als halbdurchlässige Schemen. Damit werden die gewöhnlichen, stabilen Wahrnehmungsmuster von industriellem Alltag aufgehoben und neu überdacht. Die Maschinen enthüllen dabei einen bedrohlich durchscheinenden Hintersinn. Oberhalb eines harmlos wirkenden Boots erscheinen schemenhaft die Aufbauten eines Kriegsschiffs, und die malerisch hinfälligen Ruinen eines Jahrmarkts schließlich entpuppen sich als verlassener Luna-Park in der Nähe des tödlich verstrahlten Tschernobyl.

 

H.D. Tylle porträtiert wortwörtlich Ikonen des Wirtschaftslebens und setzt  dem unspektakulär scheinenden Normalbetrieb der Industrie ein malerisches "Denkmal". Dabei sind die Arbeitswelten einerseits im besten Sinne des tradierten Realismus des 19. Jahrhunderts detailgenau aufgenommen. Andererseits verwandelt Tylle die Fabriken in ein Theater von Farb- und Lichtereignissen, überspielt impressionistisch klare Konturen und maschinelle Präzision. Bei aller Orientierung an der Welt der Zweckräume bleibt die Malerei damit ein eigendynamisches Medium, das nur seinen eigenen Produktionsregeln gehorcht. 

 

 

       

Bernd und Hilla Becher, Typologie von Hochofenköpfen (Lübeck-Herrenwyk, 1983 u.Duisburg-Ruhrort, 1970), Fotografie

 

 

 

                                                                                Chargesheimer, Zur Frühschicht (Im Ruhrgebiet), publ. 1958, Fotografie

 

         

Jochen Mura, Versorgungsschacht 9, 2003, Karton, Acrylglas, 68 x 38,5 x 32,5 cm         
Jochen Mura, Schwarzer Block-2, 2009, Karton, Acrylglas, Holz, Farbe, 53 x 12,5 x 17,5 cm

 

 

     

                                                                                Stefan Rohrer, Arancio, 2011, Roller, Stahl, Lack, 200 x 171 x 290 cm

 


Stefan Rohrer, Roller Coaster, 2009, Motorräder, Stahl, Lack, 720 x 140 x 80 cm

 

 

     
Angelika J. Trojnarski, Fahl, 2011, Öl, Kreppband / Leinwand, 160 x 200 cm
      

 

Angelika J. Trojnarski, Skeleton Park X, 2008, Öl / Leinwand, 130 x 150 cm

 

 

                                                                                      H.D. Tylle, Aufgebockte A 380, 2011, Öl / Leinwand, 100 x 180 cm

 

 

H.D. Tylle, Reaktor für Flüssigkristallproduktion I, 2009, Öl / Leinwand, 110 x 220 cm, Detail

 

 

H.D. Tylle, Kraftwerk, 2010, Öl / Leinwand, 85 x 190 cm

 

 

Bildrechte: 

Bernd und Hilla Becher: © Hilla Becher 2012

Chargesheimer: © Rheinisches Bildarchiv Köln

Jochen Mura: © Künstler

Stefan Rohrer:  Courtesy Galerie Scheffel, Bad Homburg, & Künstler

Angelika J. Trojnarski: Courtesy Galerie Tanja Wagner, Berlin

H.D. Tylle: © Künstler

 

 

 

   

 

Aktuell

 

Sa, 19.05.2012, 10:30 - 12:30 Uhr
Samstagsmaler!

für Kinder ab 6 Jahren

 

 

Sa, 26.05.2012, 15:00 Uhr

Darmstadt unter Strom:

Industriegeschichtliche Stadtführung - wie und wann kam der Strom nach Darmstadt? 

Eine Kooperation mit

Darmstadt Marketing

 

Treffpunkt:

Darmstadt Shop, Luisencenter

Anmeldung: online:

www.darmstadt-marketing.de  /

Tel. 06151 134535


 

So, 03.06.2012, 11:30 Uhr

Öffentliche Führung durch
"Mensch Maschine"

Elke Glenewinkel

 

 

So, 10.06.2012, 11:00 Uhr

Industrie- und kulturgeschichtliche Führung durch den Darmstädter Hauptbahnhof

Nikolaus Heiss

Eine Kooperation mit

Darmstadt Marketing

 

Treffpunkt:

Brunnen am Fürstenbahnhof

Anmeldung: online:

www.darmstadt-marketing.de  /

Tel. 06151 134535

 

 

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 Workshops für Kinder